Nachruf Siegfried Springer

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte wäret ewiglich. Psalm 106, 1

Unfreundlich begegnet uns die Macht des Todes, der wieder einen besonderen Menschen aus unserer Mitte gerissen hat. Verabschieden müssen wir uns von Siegfried Springer, der am 16.02.2019 im Alter von 88 Jahren heimgegangen ist. In der Trauer um ihn und in der Angst vor dem unfreundlichen Gesicht des Todes suchen wir die Freundlichkeit Gottes, der uns trösten will.

Siegfried Springer war Mitbegründer und  ein langjähriges, aktives Mitglied der Kirchlichen Gemeinschaft. Deren Vorsitz er hingebungsvoll und leidenschaftlich, mit all seinem Wesen vom 25.08.1984 – 02.03.2002 fast 18 Jahre erfüllt hat.  Diesen Dienst tat er neben seiner bischöflichen Verantwortung für die Evangelisch lutherische Kirche in Russland. Als  Ehrenvorsitzender stand er mit  Rat und Tat, beratend und betend der Kirchlichen Gemeinschaft bis zu seinem Tod zur Seite. Erstaunlicherweise hatte er bis ins hohe Alter ein sehr gutes Verhältnis zur Jugend. Seine präzise und analytische Denkweise war uns immer eine große Hilfe. Sie wird uns fehlen. Diese starke, geistreiche  Persönlichkeit  wird uns fehlen.

Wir haben ihn als einen sehr freundlichen, herzlichen Menschen kennengelernt, der offen auf andere zugehen konnte.

Wir werden seine freundliche, liebenswürdige und sachliche Art vermissen. Wir staunen über ein so langes, erfülltes Leben, über die Lebensfreude, die in aller Not trotzdem erhalten blieb.

Wir fragen uns, ob wir jemals ein so hohes Alter erreichen, ob unsere Lebensfreude so lange durchhält. Manchmal haben wir Angst, Krankheiten oder Unfall könnten unser  Leben zu früh beenden. Wir erleben, wie viele Dinge es gibt, die unsere Lebensfreude verbittern, uns unglücklich machen. Wir sind froh, wenn es Menschen gibt, die uns aufmuntern und Mut machen. Bruder Springer hat durch diese Art viele Menschen erfreut und glücklich gemacht.

Wir dürfen Gott vertrauen, der uns mit Lebenskraft erfüllt und unsere Hoffnung stärkt. Gott will unsere Augen öffnen, seine Freundlichkeit zu sehen in den Wundern der Schöpfung, in den Augen der Menschen. Ich denke, Gott hat uns seine Freundlichkeit und Güte auch durch Siegfried Springer gezeigt. Er fehlt uns jetzt, die Freundlichkeit und Güte Gottes aber bleibt.

Erst vor einigen Monaten haben wir die langjährigen Mitarbeiter der Kirchlichen Gemeinschaft in den Ruhestand verabschiedet und die Neuen eingesegnet. Das Werk hört nicht auf, sondern es geht hoffnungsvoll mit den neuen Kräften weiter. Darüber hat er sich besonderes sehr gefreut und darüber freut er sich immer noch.

Wo der Tod ein Menschenleben beendet und ein freundliches Gesicht die Augen für immer schließt, da fängt Gott neu an zu wirken und lässt neue Hoffnung wachsen, indem er uns Mut macht einander zu trösten, einander zu helfen, zueinander freundlich zu sein.

Wo wir als Christen Gemeinschaft haben, da helfen wir uns gegenseitig zum Leben, da kann die Freundlichkeit Gottes in unseren Gesichtern wiederspiegeln.

Das wünsche ich uns allen, die trauern um Siegfried Springer, damit wir die Freude an unserem Leben behalten, Freude an der Gemeinschaft mit anderen Menschen, Freude darüber, Gott vertrauen zu können.

Ihm vertrauen wir auch das Leben von Siegfried Springer an, auf das wir mit großem Dank zurückblicken.  Danke lieber Vater im Himmel, dass er so viele Jahre auf dieser Welt sein durfte.

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Amen

Alexander Schachtmaier

Trauergottesdienst für Bischof i.R. Siegfried Springer

Aus verschiedenen Teilen Deutschlands kamen Geschwister am 9. März 2019 in Bad Sooden-Allendorf zusammen, um während eines Trauergottesdienstes an Bruder Siegfried Springer zu gedenken.

Nach dem Orgelvorspiel wurde die Trauergemeinde vom Vorsitzenden der Kirchlichen Gemeinschaft Eduard Penner begrüßt. Hierzu wurde das biblische Wort zitiert: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Anschließend hat der jüngere Sohn Wolfram Springer alle begrüßt, auch im Namen seiner anwesenden Mutter, sowie seinem älteren Bruder Sören, der aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnte. Dabei hat er einen ersten kurzen Rückblick auf das Leben seines verstorbenen Vaters gemacht.

Nachdem dem Lied „Befiehl du deine Wege“ hat Landesbischof i.R. D. Horst Hirschler zunächst die Einleitung gemacht, anschließend folgten weitere Lieder, dazwischen Lesung aus Evangelium Johannes 5,24 bis 29 durch Frau Lange. Als Predigttext diente das Wort aus Römer 8,21 bis 39. Pfarrer Hirschler wies eindrucksvoll die Anwesenden auf die Tatsache hin, dass auch Siegfried Springer in seinem Leben oft in Gefahren war. Als Siebenjähriger musste er miterleben wie, während der stalinistischen Säuberungen 1937 zunächst sein Vater und wenig später der Großvater „abgeholt“ und dann nie wieder gesehen wurden – dies konnte er nie vergessen. Während des zweiten Weltkriegs kam er mit den Angehörigen zunächst nach Preußen, um dann von der vorrückenden Roten Armee weiter zu fliehen. So kam es, dass er mit Mutter und Schwester nach Aschaffenburg kam, während seine beiden Omas und einer Tante wieder zurück nach Russland gebracht wurden. In Aschaffenburg durchlebte er als Vierzehnjähriger seine Bekehrung. Es folgten sein Weg innerhalb der Evangelischen Kirche zunächst als Pfarrer bis hin zum Bischof.

Der Bezug zu Russland ist zeitlebens geblieben. So erinnerte Pfarrer Hirschler daran, dass er 1988 gerade mit Hilfe Siegfried Springers in die Sowjetunion reisen und mit ihm zusammen u.a. die Gemeinden in Alma-Ata und Karaganda besuchen konnte. 1988 fand, aufgrund dem Wirken von Pfarrer Springer, in Riga eine Synode statt, bei der die Brüder einen Bischof wählen sollten. Um dies umzusetzen, musste er die einzelnen Brüder, zum Teil bis in die Morgenstunden, von der Notwendigkeit überzeugen Pröbste zu werden. Dabei konnte Bruder Springer viel mit anpacken, aber auch zurücktreten und anderen den Vortritt lassen.

Aus dem Buch vom S. Springer – In Russland dem Himmel näher – wurde unter anderem das Gedicht zitiert „Ein Christ ist immer im Dienst.“ So lässt sich auch das gesamte Leben und Wirken vom Bischof i.R. Siegfried Springer zusammenfassen. Für die Familie war dies oft ein sehr schwerer Weg gewesen.

Nach der Predigt wurde der Lebenslauf von Frau Vollmer verlesen. Es folgten Abschiedsworte im Namen der EKD, Martin-Luther-Bund, Landeskirche Hannover, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ural, Sibirien und Fernem Osten – vertreten durch Bischof Alexander Scheiermann, natürlich der Kirchlichen Gemeinschaft – durch den zweiten Vorsitzenden Alexander Schachtmaier, sowie noch weiterer Werke.

Von verschiedenen Personen wurde während Ihrer Ansprachen immer wieder deutlich, dass Siegfried Springer einen Lieblingsvers hatte – und zwar aus Psalm 84 der 11 Vers: „Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.“

Nun hat Wolfram Springer zum Schluss vom letzten Tag seines Vaters berichtet – in das Krankenzimmer schien an dem Tag die Sonne, und der behandelnde Arzt war ein DR. SCHILD.

Jakob Gebel

Siegfried Springer ist gestorben

Liebe Geschwister,

wir müssen euch leider mitteilen, dass unser geliebter Bruder Siegfried Springer am Samstag den 16.02.2019 im Alter von 88 Jahren gestorben ist.

Ein großartiger Mensch ist von uns gegangen. Voller Gewissheit können wir sagen: Gott hat ihn zu sich heimgeholt. Es ist ein großer Verlust für uns! Aber wir wissen, dass Gott es so gewollt hat und er ihn erlöst hat. Nun darf unser lieber Bruder die Früchte seines Glaubens sehen und sie genießen!

Siegfried Springer war eine Säule der Kirchlichen Gemeinschaft. Sein unermüdlicher Einsatz über mehrere Jahrzehnte und seine Leidenschaft für Jesus wird vielen von uns unvergesslich bleiben.

Siegfried Springer war der erste Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELK ER) und hatte dieses Amt von 1992 bis 2007 inne.

Geboren wurde er am 10. März 1930 in Mineralnyje Wody im Nordkaukasus. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Familie Springer als deutschstämmige Familie aus der deutschen Kolonie Hoffnungstal in Bessarabien (heute Gebiet Odessa) ins von Deutschland annektierte Westpolen verschleppt. Nach Kriegsende siedelte die Familie nach Westdeutschland über.

Siegfried Springer studierte Theologie und tat seit 1956 Dienst in Kirchengemeinden unterschiedlicher Städte Deutschlands. Von 1974–1976 war er Präses eines internationalen Verbandes zur Rehabilitation aus Glaubensgründen verfolgter Personen verschiedener Konfessionen. Seit 1976 verantwortete er bei der Evangelischen Kirche in Deutschland die Arbeit zur Integration von Aussiedlern aus Polen, Rumänien und der Sowjetunion.

Siegfried Springer wirkte bei der Gründung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, Kasachstan und Mittelasien (ELKRAS) mit. »Ihr runder Geburtstag bietet auch uns einen Anlass, mit Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurückzublicken. Wir haben zusammen einen Weg zurückgelegt, auf dem wir unsere Gemeinden gesammelt und unsere Kirche geschaffen haben. … Im gemeinsamen Vertrauen auf unseren Herrn konnten wir alle Schwierigkeiten überwinden und den rechten Weg weitergehen“ – mit diesen Worten gratulierte das Zentrale Kirchenamt der ELKRAS Bischof Springer im Jahr 2005 zu seinem 75. Geburtstag.

Außer dem Amt des Bischofs der ELK ER hatte Siegfried Springer von 2005 bis 2009 auch das Amt des Stellvertreters des Erzbischofs der ELKRAS inne.

Nach Abschluss seines Dienstes in Russland lebte der Bischof Emeritus die letzten zehn Jahre seines Lebens in Bad Sooden. Im Jahr 2013 erschienen beim Verlag des Martin-Luther-Bundes in Erlangen Siegfried Springers inzwischen vergriffene autobiographische Erinnerungen »Dem Himmel in Russland näher«, welche dem Leser unter anderem die Geschichte der Wiedererstehung des Luthertums in Russland nahebringen.

Quelle: https://www.martin-luther-bund.de/ 

Die Trauerfeier von Bruder und Bischof Springer findet am 09.03.2019 um 14:30 Uhr in der St. Crucis Kirche in Bad Sooden Allendorf statt.

Geistliches Wort zur Jahreslosung 2018

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Offenbarung 21,6

Nimm und trink, das tut dir gut! Als Kinder haben wir das oft gehört, wenn wir besonders durstig waren, oder krank. Und wenn es gute Hände waren, die uns den Becher reichten, dann tat es doppelt gut.

In späteren Jahren gab es andere Erfahrungen. Nicht alles, was man trank, hat gut getan. Vieles worauf man sich einließ, war Täuschung. Entsprach dem seelischen Verlangen nicht. Konnte den Lebensdurst nicht stillen. Denn unsere Seele „dürstet nach Gott, nach dem lebendi­gen Gott. Sie will Erfüllung nicht nur Stillung.“(Ps.42,2)

Bewusst und auch unbe­wusst, sind wir alle auf der Suche danach. Die Ei­nen früher, andere später. Die alles entscheidende Frage aber bleibt offen. Wie kann ich vor IHM bestehen, wenn unausweichlich ER mir begegnet? – So fragen die Durstigen, die nichts zu bieten haben, als nur ihren Durst. Die Zahl der Entwöhnten, die solchen Durst nicht kennen, ist weit größer. Sie haben sich sol­chen Durst abtrainiert. Nach der Devise: „Was man nicht sieht, das gibt es nicht: Doch Gottlose sind Gott noch lange nicht los. Das wird sich letztendlich erweisen.“

An IHM führt kein Weg und kein Wasser vorbei.

Gewiss gibt es noch eine dritte Kategorie von Menschen. Ganze Völker gehören dazu. Seit Urzeiten sucht man in strengen religiösen Ritualen sein Seelenheil. Unfassbar was da alles investiert wird, an Leib und Leben, um Gott nahe zu kom­men. Und um Gott günstig zu stimmen. Doch reicht es meist nur bis zur „Schwelle“. Nicht bis zur „Quelle“. Diesbezüglich sind alle menschlichen Anstrengungen bisher „auf der Strecke“ geblie­ben.

Und das macht den Unterschied aus. Eben darin unterscheidet sich das Christentum von allen Religionen. Religionen sind der Weg von unten nach oben. Die Botschaft der Bibel hinge­gen ist der umgekehrte Weg: GOTT kommt zu uns! Er kommt uns entgegen. Jedem von uns kommt er entgegen. Er sucht uns wie ein Hirte seine verirrten Schafe, die von selbst nicht zurückfinden können. In tiefste Tiefen menschlichen Elends kam er herab, da­mit keiner vergessen oder verachtet werde.

Das mag unfassbar sein, ist aber wahr. Ist erfahrbar! Und alle, die sich Gott geöffnet haben, bezeugen es. Alles bisher Tren­nende und Fremde gilt jetzt nicht mehr. Es ist überwunden. Im Opfer das er selbst erbrachte, am Kreuz von Golgatha. Das sind wir IHM Wert gewesen – und wert geblieben bis auf den heuti­gen Tag.

Hier – und nur hier – ist die „Quelle lebendi­gen Wassers“ für durstige Seelen: Friede, Versöhnung und Ewigkeit! Das ist uns im Evangelium verbrieft.

Weil der Gekreuzigte ja nicht im Tod geblie­ben ist. Der Auferstandene bezeugte und bezeugt sich den Seinen auf seine Weise weltweit.

Und wir gehören dazu. Wir haben sein Wort. Geladene Gäste sind wir. Beschenkt und ausgestat­tet mit Gnade und Barm­herzigkeit. Ohne jegliche Gegenleistung. Ganz und gar umsonst! Man muss nur kommen und empfangen, das ist alles. Denn Liebe ist nicht käuflich. Sie will beantwortet sein. „So nimm denn und trink! Mein Blut für dich vergossen.“ Das stärke und erhalte dich im Glauben zum ewigen Leben.

In unserem Geistlichen Liederschatz (319) singen wir:

„Wen dürstet, der komme und trinke sich satt.“ So rufet der Geist und die Braut, nur wer in dem Strome gewaschen sich hat, das Angesicht Gottes einst schaut.
O Seele, ich bitte dich; komm und such diesen herrlichen Strom, sein Wasser fließt frei und mächtiglich. O glaub`s, es fließt für dich.

Siegfried Springer